Falke Klassisch
Gruppe
SJD-Die Falken OV Scharnhorst

Geschichte des OV

SAJ und Kinderfreunde

Historische Fahne

Vorläufer der Falken waren die SPD-treue Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ) und die 1923 gegründeten "Kinderfreunde". 1928 schrieb Gustav Schäcke (Vorsitzender SAJ): "Die SAJ ... ist für Dortmund in eine Reihe von Gruppen gegliedert. Alle diese Gruppen führen ein selbständiges Eigenleben. ... Die Arbeit der Gruppen wächst zumeist aus den Wünschen und Anregungen junger Menschen selbst. Sie bestimmen monatlich, ob die Abende mit Tanz, Gesang, Spiel, Vorlesungen, Ausschüttungen des Fragekastens oder dergl. ausgefüllt ist. ... Außer den Gruppenabenden bestehen noch Spiel- und Sportabende, ein Singkreis und ein Sprechchor. Einen Ehrenplatz nimmt das Wandern bei uns ein. Wandergebiet der SAJ ist überall, nicht nur Wald und Heide, auch diegewaltigen Stätten der Arbeit werden mit offenen Augen durchwandert.".

Mädchen

Diese Tradition wurde nach dem zweiten Weltkrieg von der Nachfolgeorganisation der SAJ und der Kinderfreunde, der SJD-Die Falken, fortgesetzt. In der von den Briten besetzte Zone (also auch in Dortmund) ging der Aufbau der Jugendarbeit relativ zügig voran. Da von den Engländern zunächst die politisch unabhängige Jugendarbeit gefördert wurde, gründete sich die spätere Sozialistische Jugend Deutschlands unter dem Namen "Die Falken-Freie Jugendbewegung". 1948 waren die Falken mit 60 Gruppen und 5860 Mitgliedern nach der katholischen und der evangelischen Jugend die drittstärkste Jugendorganisation in Dortmund.

Der Beginn in Scharnhorst

In der Küche

In Scharnhorst begann alles am 9. November mit einem Treffen in der Küche bei Heideckes in der Westholzschule, wo sich u.a. Hans und Meta Heidecke, Mimmi Czarnetzki, die Leimbachs, Kloppmeier und August und Jenni Polzin zusammensetzten, um den Ortsverband Scharnhorst zu gründen. Noch im selben Jahr stieß u.a. Mimi Nickel zum OV Scharnhorst, die später die Geschicke des Ortsverbands lange Jahre als OV-Leiterin lenkte. Die Aktivitäten in jener Zeit waren geprägt von Mangel der Nachkriegsjahre; trotzdem - oder gerade deshalb - wurde viel im OV Scharnhorst unternommen. An fast jedem Wochenende wurde ein Ausflug gemacht, oft in die Dülmer Heide. Aufgrund der schlechten Ernährungslage wurde mit allen Mitteln die Verpflegung organisiert: "... hatte Meta Freitags in der Schule die Suppe abgescheppt und verlängert, damit die Falken etwas zu essen hatten.".

Suppe auf der Wiese

Ab 1946 ging es dann im Sommer auch ins Zeltlager: Hemer Badeanstalt, Felsenmeer und Hullern/Haltern waren die Ziele der ersten drei Jahre. Die 'Brocken auf den Rücken', wurde Richtung Lager marschiert; die Verpflegung bestand oft genug aus 'Broten mit Marmelade und Sand', und auch die Ausstattung mit Zelten war eher mager. Noch heute ist bei den damaligen Teilnehmern ein mit 28 Personen vollgepacktes Rundzelt in Hemer '46 im Gedächtnis geblieben. Die Waschgelegenheiten, nach Augenzeugenberichten an Futtertröge erinnernd, wurden durch einen Schlauch mit passend gebohrten Löchern mit Wasser versorgt. An der Wasserversorgung hatte der OV Scharnhorst nicht unerheblichen Anteil; der bei Störung der Lagerruhe ertönende Ruf "Raustreten zum Wasserpumpen!" ging doch häufig in Richtung Scharnhorst. Die ersten basisdemokratischen Experimente gipfelten bei der Wahl der Lagerpräsidentin in dem Ruf: "Wählt Herta, dann geht's euch Berta!".

Aufführung

In Dortmund, wo inzwischen der Anbau der Westholz-Schule zum Gruppenraum des OV Scharnhorst umfunktioniert worden war, wuchsen die Mitgliedszahlen rapide, zum einen aufgrund der Angebote, andererseits natürlich auch mangels Alternativen ("Um die Zeit, da gab es nichts anderes."). Zur Eröffnung neuer OV's im Stadtgebiet war die Musikgruppe des OV Scharnhorst gerngesehener Gast. Auch sonst wurde viel musiziert, getanzt und Theater gespielt. Die Volkstanzgruppe erhielt viele Einladungen zu Auftritten. Das unter der Regie des bei den städtischen Bühnen beschäftigten Willi Wiecks entstandene Stück: "Ali Baba und die 40 Räuber" wurde heftig bejubelt und sogar auf einer 'Tournee' in umliegenden Sälen aufgeführt. Mimi Nickel als OV-Leiterin betreute lange Jahre hinweg mehr oder weniger alleine bis zu drei Gruppen, bastelte, diskutierte, organisierte Fahrten. Auch die monatliche Einsammlung der Beiträge mußte sie durchführen, wobei bei extremer Lautstärke auch schon mal die Gruppenkasse durch den Raum geflogen sein soll.

Mit Klampfe

Anfang der 70er Jahre (Mai 1970) wurde der OV Scharnhorst-Ost gegründet. Unter der Leitung von Klaus Kohts traf man sich in der Kautsky-Grundschule. 1972 bis 1982 übernahm Edith Wanzek die Leitung. Mit über 300 Mitgliedern entwickelte sich der OV Scharnhorst-Ost zur stärksten Stadtteilgruppe in Dortmund. Die Gruppenstunden wurden später im BZS durchgeführt. Viele, viele Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter waren freiwillig tätig, um Scharnhorster Kinder und Jugendliche in den wöchentlichen Gruppenstunden und Freizeiten zu betreuen. Bis 1988 war Leni Thurian aktive OV-Leiterin des OV Scharnhorst. Lange Jahre war sie Garantin für Kontinuität und Ideenvielfalt.

Seit 1991 wurde der OV Scharnhorst in zäher Kleinarbeit wieder aufgebaut. Die Gruppenarbeit fand in den ersten Jahren im Begegnungszentrum statt. Da uns dort kein eigener Raum zur Verfügung stand, war ein hoher Grad an Improvisationstalent gefragt, allein schon um die gerade nötigen Utensilien parat zu haben, zu lagern etc.. Trotz aller Widerigkeiten gelang es, eine rege Gruppenarbeit in Gang zu bringen. 1994 beteiligten wir uns an der Schreibwerkstatt für Kinderrechte, die in Zusammenarbeit mit dem Abenteuerspielplatz, der Kautsky-Grundschule und dem Verein 'Kinder haben Rechte e.V.' eine Plattform schuf, auf der Kinder und Jugendliche ihre Wünsche und Träume äußern konnten. Nach gründlicher Renovierung konnten wir am 2.12.96 unseren Gruppenraum im Keller der Kautsky-Grundschule einweihen, wo wir ungestört basteln, klönen, singen, kochen und vieles mehr konnten. Die erfreulicherweise weiter wachsende Gruppe traf sich Montags um 1600 Uhr. Nach sechs Jahren wurden die Kellerräume ab 2002 jedoch wieder für Schulzwecke benötigt, sodaß wir erstmal unsere Materialien auslagern mußten. Seit 2003 haben wir nun einen neuen Gruppenraum im Pavillion an der Buschei-Schule.